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FFP2-Masken: Das bringen sie wirklich

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Von Euronews
Geschäftsführer Christian Vorbau vom Maskenhersteller Sentias kontrolliert die Produktion von FFP2-Gesichtsmasken  in Wuppertal, 28.01.2021
Geschäftsführer Christian Vorbau vom Maskenhersteller Sentias kontrolliert die Produktion von FFP2-Gesichtsmasken in Wuppertal, 28.01.2021   -   Copyright  Martin Meissner/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

Viele Menschen setzen im Alltag inzwischen auf FFP2-Masken. Diese sind eigentlich für den einmaligen Gebrauch konzipiert. Was passiert also, wenn die Masken immer wieder und länger, als eigentlich vorgesehen, zum Einsatz kommen? Wie hoch ist das Infektionsrisiko angesichts der neuen Omikron-Variante?

Forscher:innen des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation aus Göttingen haben in einer ausführlichen Studie die verschiedenen Ansteckungsszenarien mit und ohne Masken untersucht. In jedem Fall gilt: eine gut sitzende Maske - egal ob OP- oder FFP2-Maske - schützt.

Drei Meter Abstand reichen, um sich zu infizieren

Zunächst halten die Forscher:innen fest: spricht eine mit dem Coronavirus infizierte Person mit einem ungeimpften Menschen reichen auch drei Meter Abstand nicht aus, um sich vor einer Ansteckung mit der Delta-Variante des Coronavirus zu schützen. Selbst wenige Minuten genügen demnach, um sich mit fast 100%iger Sicherheit anzustecken.

Derartige Situationen kämen immer wieder vor, wie etwa in Schulen, Gaststätten, Clubs oder gar im Freien, so das Forscher:innenteam. Diese Erkenntnis hat auch die Wissenschaftler überrascht: "Wir hätten nicht gedacht, dass es bei mehreren Metern Distanz so schnell geht, bis man aus der Atemluft eines Virusträgers die infektiöse Dosis aufnimmt", sagt Eberhard Bodenschatz, Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in einer Pressemitteilung.

Bei Omikron dürfte dieses Problem weiter verschärft werden. Doch die gute Nachricht der Forscher:innen: Tragen alle am Gespräch Beteiligten konsequent Masken, ist der Schutz um ein Vielfaches höher. In ihren Tests betrug das Risiko einer Ansteckung beim Tragen gut sitzender FFP2-Masken nach 20 Minuten kaum mehr als ein Promille. Mit "gut sitzend" bezeichnen die Forscher:innen Masken, die eng am Gesicht anliegen und "an den Rändern möglichst dicht abschließen".

Größtes Infektionsrisiko durch ausströmende Luft an Maskenrändern

Sitzen die FFP2-Masken schlecht, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren auf 4 Prozent. Tragen beide gut sitzende OP-Masken, steigt das Risiko einer Ansteckung nach 20 Minuten auf 10 Prozent. Auch hier gilt: medizinische Masken reduzieren das Ansteckungsrisiko deutlich, wenn sie richtig getragen werden.

Allerdings, räumt Bodenschatz ein, ist die tatsächliche Infektionswahrscheinlichkeit um 10- bis 100-mal kleiner, da die Luft, die an Seiten aus der Maske ströme, verdünnt sei. Deshalb atmen Menschen nicht die gesamte, ungefilterte Atemluft einer möglicherweise infizierten Person ein. In ihren Studien hatten die Forscher:innen allerdings ein solches Szenario simuliert. "Wenn unter diesen Bedingungen sogar das größte theoretische Risiko klein ist, ist man unter realen Bedingungen auf der ganz sicheren Seite", so Bodenschatz.

Generell gilt: Das größte Ansteckungsrisiko geht von der Luft aus, die an den Rändern der Maske ausströmt. Insgesamt stellen die Forscher:innen der Filterwirkung von FFP2-Masken ein hervorragendes Ergebnis aus.

Filterwirkung bei rund der Hälfte der Masken gegeben

Doch was passiert nun, wenn die Masken zwar gut sitzen, aber wesentlich häufiger gebraucht werden, als eigentlich angedacht? Eine Untersuchung an der Fachhochschule München hat sich genau mit dieser Frage beschäftigt. Dafür wurde eigens ein sogenannter "Beatmungssimulator" entwickelt. Dieser kann die Faktoren (wie Luftfeuchtigkeit, Druck und Atemzeitvolumen), die die menschliche Atmung beeinflussen, nachstellen.

Für die Studie wurde zunächst die 12-stündige Nutzung von 15 im Handel erhältlichen FFP2-Masken simuliert. Anschließend wurden die Masken bei 80°C im Backofen getrocknet und erneut für 10 Stunden eingesetzt und erneut im Backofen getrocknet. Danach prüften die Forscher:innen die Masken auf ihre Filterleistung und den Atemwiderstand und kamen zu folgendem Ergebnis: acht der 15 Maskenmodelle wiesen eine signifikante Abnahme der Filterleistung auf, unterschritten aber nicht den vorgeschriebenen DIN-Normbereich.

Aus hygienischen Gründen sollte man die Maske nach dem Tragen aber nicht einfach in die Tasche stecken, sondern zum Trocknen aufhängen.
Christian Schwarzmüller
Professor für Medizintechnik an der Hochschule München

Auch beim Atemwiderstand ließ die Leistung der untersuchten Masken deutlich nach. Für den Träger zeigt sich das vor allem daran, dass es leichter fällt zu atmen. Die Schutzwirkung besteht jedoch weiterhin. Das Fazit insgesamt: von den 15 getesteten Modellen bestanden 12 einen Test im Labor, zwei Modelle allerdings erfüllten nicht einmal im Neuzustand die Normanforderungen. Christian Schwarzbauer, wissenschaftlicher Projektleiter und Professor für Medizintechnik an der Münchner Hochschule sieht kein Problem darin, bei moderater körperlicher Arbeit eine FFP2-Maske mehrmals zu tragen. Er fügt allerdings hinzu: "Aus hygienischen Gründen sollte man die Maske nach dem Tragen aber nicht einfach in die Tasche stecken, sondern zum Trocknen aufhängen."

Wie man FFP2-Masken über einen längeren Zeitraum sicher wiederverwenden kann, hatte ein Forscherteam an der FH Münster untersucht und im wesentlichen drei Kriterien aufgestellt: das 7-Tage-Trocknen bei Zimmertemperatur, ein 10-minütiges Kochen im wasserdichten Gefrier- oder Kochbeutel oder das einstündige Trocknen im Backofen.