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Niederlande: mehr Tempo beim Klimaschutz - ist das machbar?

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Niederlande: mehr Tempo beim Klimaschutz - ist das machbar?
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Am 20. Dezember 2019 bestätigte der Oberste Gerichtshof der Niederlande die früheren Entscheidungen in der Rechtssache Urgenda Klimafall und stellte fest, dass die niederländische Regierung im Einklang mit ihren Menschenrechtsverpflichtungen den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase sofort senken muss.

Das Grundsatz-Urteil besagt, den CO2-Ausstoß um 25 Prozent (Vergleich 1990) zu reduzieren. Ist das vor Jahresende zu schaffen? Thema dieser Unreported-Europe-Reportage.

PS-starke Schlepper der Amsterdamer Hafenbehörde sichern die westlichen Docklands. Obwohl viel weniger los ist, denn im Dezember wurde das riesige Kohlekraftwerk im Industriehafen vom Netz genommen. Fünf Jahre früher als von den Betreibern geplant, denn die Regierung der Niederlande steckt in einer Zwickmühle namens Urgenda.

Die Klimaschutzorganisation hatte geklagt, gegen die eigene Regierung - und von den obersten Richtern Recht bekommen: Bis Ende des Jahres müssen die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um ein Viertel niedriger sein. Nicht auf dem Papier, sondern in der Realität.

Versprechen müssen gehalten werden

Berechnungen aus dem Jahr 2019 ergaben, dass die Regierung noch nach etwa neun bis 18 Megatonnen zusätzlicher CO2-Einsparungen suchen muss. Das Kohlekraftwerk in den westlichen Docklands von Amsterdam emittierte 3,6 Megatonnen pro Jahr - das sind etwa zwei Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes der Niederlande.

Verglichen mit anderen EU-Staaten, sieht es düster aus mit dem niederländischen Energie-Mix: nur rund sieben Prozent des Energieverbrauchs wird von Erneuerbaren gedeckt (der Anteil erneuerbarer Energien an der niederländischen Elektrizitätsproduktion liegt bei 18 Prozent, der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten niederländischen Energieverbrauch bei 7,4 Prozent), weit weg vom EU-Ziel für dieses Jahr: zwanzig Prozent.

Schweden hatte 2018 bei weitem den höchsten Anteil mit mehr als der Hälfte (54,6%) seiner Energie aus erneuerbaren Quellen, vor Finnland (41,2%), Lettland (40,3%), Dänemark (36,1%) und Österreich (33,4%). Am entgegengesetzten Ende der Skala wurde der geringste Anteil der erneuerbaren Energien in den Niederlanden (7,4%) registriert. Niedrige Anteile, weniger als zehn Prozent, wurden auch in Malta (8,0%), Luxemburg (9,1%) und Belgien (9,4%) verzeichnet.

Grundrecht auf Klimaschutz?

Euronews-Reporter Hans von der Brelie ist mit Urgenda-Präsidentin Marjan Minnesma verabredet. Sie war es, die die Klima-Klage auf den Weg brachte, zusammen mit 900 Mitstreitern ging sie vor Gericht - und gewann. Doch das ist erst der Anfang:

Euronews-Reporter Hans von der Brelie:
Die Uhr tickt, die Zeit läuft davon. Was wurde bislang getan?

Marjan Minnesma, Urgenda-Präsidentin:
Wenig. Doch mehr als noch vor einem Jahr. Die Regierung gab zusätzliche Hilfsgelder frei, zwei Milliarden Euro für Sonnenenergie- und große Windparkprojekte. Hinzu kommen weitere Subventionen für Wärmedämmung, Wärmepumpen und ähnliches. Die Regierung hat für Oktober ein neues Gesetz versprochen, mit dem alle restlichen Kohlekraftwerke auf 25 Prozent ihrer Produktionskapazität gedrosselt werden müssen.

Euronews:
Es gibt eine Frist, bis Ende des Jahres müssen die CO2-Werte unten sein, ist das zu schaffen?

Marjan Minnesma:
Wir haben der Regierung gesagt, drei Monate Verspätung sind noch ok. Wir wollen keinen neuen Zoff, nur wegen einer kleinen Verspätung. Aber wenn zu wenig getan oder die Planung für das kommende Jahr verschleppt wird - dann gehen wir erneut vor Gericht.

Euronews:
Eine persönliche Frage: Warum tun Sie sich diesen Stress an?

Marjan Minnesma:
Mit der Geburt meiner Kinder begann bei mir das Umdenken. Auf einmal war mir klar, dass die ja vielleicht bis Ende des Jahrhunderts leben - und wenn das so weitergeht mit dem Klimawandel, dann wird das eine Erde sein, auf der niemand mehr gut leben kann. Milliarden von Menschen können nicht mehr dort leben, wo sie bislang gelebt haben. Dabei liegen die Lösungen alle auf dem Tisch - und genau das macht mich ja so wütend: Niemand will was tun, obwohl alle Instrumente da sind.

Minnesma ist Autorin einer viel beachteten Studie, in der sie - zusammen mit renommierten Klimaforschern - einen Weg aufzeigt, die Niederlande auf hundert Prozent erneuerbare Energien umzustellen - und zwar schon bis 2030 - wenn die Politiker die richtigen Rahmenbedingungen schüfen.

Die niederländische Energiewende

Euronews:
Hier regnet es oft. An vielen Tagen ist es bewölkt und dunkel in den Niederlanden. Wieso setzen Sie da ausgerechnet auf Sonnenenergie?

Marjan Minnesma:
Zwei Solarmodule decken den Energiebedarf für unser Haus und teils auch für mein Elektro-Auto. Wir haben das einmal durchgerechnet. Wenn wir auf jedes Dach Solarmodule montieren und Windturbinen offshore wie auch an Land installieren, könnten wir den gesamten Energiebedarf der Niederlande abdecken. Es lohnt sich übrigens viel mehr, sein Geld auf dem Dach anzulegen, als auf der Bank.

Nun, nach dem höchstrichterlichen Gerichtsurteil, versuchen alle Beteiligten die Wogen zu glätten, zueinander zu finden, anzupacken - und mit einer langen Liste konkreter Maßnahmen die Vorgaben der Richter so schnell wie möglich umzusetzen.

Zeit für Gartenarbeit: Urgenda will eine Million Jungbäume an Bauern und Landbesitzer verschenken. Die Setzlinge sollen helfen, das CO2 aus der Luft zu filtern. Denn das ist ja das Problem: zu viel Kohlendioxid in der Atmosphäre und die daraus resultierende Aufheizung des Planeten.

Auch das Eine-Million-Bäume-Projekt ist Teil des Urgenda-Deals mit der Regierung. Nach dem Gerichtsurteil vollzog die Regierung eine Kehrtwende, jetzt werden viele Urgenda-Vorschläge direkt übernommen.

Beispiel E-Mobilität: Die Niederlande setzen nun auf Elektro-Autos. Ab 2030 dürfen keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden. Aber wie soll das Urgenda-Urteil kurzfristig umgesetzt werden? Minnesma setzt sich an das Steuer ihres batteriebetriebenen Kleinwagens und reiht sich ein in den gemächlichen Verkehrsstrom auf der Autobahn.

Marjan Minnesma:
Wir fahren hundert, denn die Regierung hat die Höchstgeschwindigkeit von 130 auf 100 Stundenkilometer reduziert. Auch damit soll das Gerichtsurteil umgesetzt werden. Das ist eine der dreißig Maßnahmen, die die Regierung von unserer Liste übernommen hat. Damit sparen wir pro Jahr eine halbe Megatonne CO2. - Jetzt fehlen noch 18 Megatonnen bis Jahresende.

Die im Frühjahr eingeführte neue Höchstgeschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h gilt tagsüber. Wer sich nicht an diese neue Geschwindigkeitsbegrenzung hält, muss mit hohen Geldstrafen rechnen. Nach den Beobachtungen des euronews-Reporters haben sich niederländische Autofahrer recht schnell daran gewöhnt - er beobachtete eine durchgehend langsame Fahrweise. Dennoch gibt es eine Ausnahme: In den Nachtstunden ist es immer noch erlaubt, mit 130 Kilometer pro Stunde auf niederländischen Autobahnen zu fahren.

Bis 2030 will die niederländische Regierung den CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 halbieren

Ziel der heutigen Reise ist Texel, die Sonneninsel der Niederlande. Wir begleiten Urgenda-Präsidentin Minnesma auf die Texelstroom. Angetrieben wird die in Spanien gebaute Fähre wahlweise mit Diesel, Erdgas oder Sonnen-Strom. Die Texelstroom-Fähre ist eine Hybridfähre, die zwischen Texel und Den Helder verkehrt. Der Schiffsdiesel-Motor an Bord dient für Notsituationen, der Schiffskapitän kann also zwischen insgesamt vier Antriebsmöglichkeiten wählen: Erdgas, Schiffsdiesel, elektrische Batterien, Solarstrom. Entwickelt wurde die Fähre im Rahmen eines EU-Programms, das darauf abzielt, Fähren umweltfreundlicher zu machen.

Minnesma ist nicht nur eine Galionsfigur holländischer Klima-Aktivisten. Für die niederländische Regierung betreute sie Energieprojekte in Osteuropa, sie lehrt an Universitäten und war zeitweise in der Leitung von Greenpeace aktiv. Und: sie ist Mitgründerin der Urgenda-Stiftung.

Marjan Minnesma studierte Betriebswirtschaftslehre, Philosophie und Jura. Sie arbeitete für die niederländische Regierung in Ost- und Mitteleuropa an Projekten zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien von Albanien bis Estland. Sie war Kampagnenleiterin von Greenpeace Niederlande und arbeitete zehn Jahre lang an verschiedenen Universitäten. Zusammen mit ihrem Co-Direktor Prof. Rotmans am Institute for Transitions (Drift) an der Erasmus-Universität gründete sie Urgenda, als eine Aktionsorganisation für Innovation und Nachhaltigkeit. Urgenda arbeitet lösungsorientiert von der Organisation der ersten kollektiven Kaufinitiative für Solarmodule (50.000 Module direkt ab Fabrik) bis zur Einführung des ersten in Serie produzierten Elektroautos in den Niederlanden.

Aber der Umstieg auf klimafreundlichere Energie muss schneller in die Wege geleitet werden, meint Minnesma. Zusammen mit 900 Mitstreitern verklagte sie die Regierung der Niederlande - Urgenda forderte mehr Aktionen und gewann nun in letzter Instanz.

Minnesma ist auch Autorin der Studie "100% nachhaltige Energie in den Niederlanden im Jahr 2030; Es ist möglich, wenn wir es wirklich wollen". Der Bericht besteht aus fünf Kapiteln, in denen beschrieben wird, was in den verschiedenen Bereichen konkret geändert werden sollte. Die Initiative von Urgenda "ThuisBaas' macht Häuser für 35.000 Euro (der Betrag, den eine durchschnittliche Familie in 15 Jahren für Energie ausgibt) energieneutral, hilft den Menschen, das für sie zu organisieren, garantiert "keine Energierechnung am Ende des Jahres" und sucht gleichzeitig ständig nach neuen Energiesparlösungen. Urgenda arbeitet auch an einer nachhaltigen Mobilität. Darüber hinaus kooperiert Urgenda zusammen mit vielen Unternehmen und anderen Partnern an der Realisierung einer Kreislaufwirtschaft in der Region Friesland.

Marjan Minnesma wurde drei Jahre in Folge zur einflussreichsten Person in den Niederlanden gewählt, die im Bereich Nachhaltigkeit arbeitet. Im Jahr 2015 wurde sie von der US-amerikanischen Zeitschrift "Foreign Policy" 2015 zu einer "führenden globalen Denkerin" erklärt.

Texel - Energiemodell für die Niederlande

An Bord der Hybridfähre haben wir kurz Zeit für ein weiteres Interview, gestört nur von einem Möwenschwarm, der die hochgewachsene Frau umkreist. "Texel ist für Urgenda ein Modell", meint Minnesma. "Hier haben wir unsere wichtigsten Projekte und Initiativen getestet und dann in großem Maßstab auf den Rest der Niederlande übertragen."

Bereits vor Jahren setzte sich Urgenda für den Aufbau eines vernünftigen Ladestationnetzes in den Niederlanden ein, die Voraussetzung für eine breite Akzeptanz von Elektro-Autos in der Bevölkerung. Mit Erfolg: Heute hat Minnesma kein Problem mehr, einen Stecker für ihr Auto zu finden - auch auf der Insel nicht. Allerdings hapert es hier und da noch mit der Ausschilderung der Ladestationen, "ich habe deshalb immer ein paar Aufkleber mit dem Batterieladesymbol in meiner Tasche mit dabei", lacht Minnesma, "und wenn mir auffällt, das vor einer Ladestation wieder einmal kein Hinweisschild steht, dann greife ich zum Aufkleber."

Minnesma ist mit Nicol Schermer verabredet, einem der Vordenker von Texels Energiewende. Sie hat ihm ein Kirschbäumchen mitgebracht. Zusammen mit seinen Angestellten Soran und Sarhan installiert Schermer heute Solarmodule auf einem Bauernhof.

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Nicol SchermerEuronews

Um rasch Licht ins Dunkel des holländischen Energiemix zu bringen, folgt die Regierung der Urgenda-Empfehlung - und setzt auf Sonnenstrom. Damit auch die Bevölkerung mitzieht, gibt es Beteiligungsmodelle für erneuerbare Energieprojekte.

Nicol Schermer erklärt das Prinzip: "Das Projekt nennt sich Postleitzahl. Hier, bei diesem Bauernhof, machen 26 Leute aus der Nachbarschaft mit, sie beteiligen sich an den 299 Modulen und bekommen dafür Steuererleichterungen von der Regierung."

Minnesma fügt an: "Wenn die Leute kein eigenes Dach haben, aber im selben Postbezirk leben, dann können sie sich für ein Energieprojekt zusammentun und zahlen dann weniger Steuern."

Mit diesem Beteiligungsmodell werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens kommt so "grünes Kapital" für kleinteilige, lokale Energiewendeprojekte vor Ort zusammen. Zweitens hilft es, eventuelle Vorbehalte der lokalen Bevölkerung gegen nachhaltige Energieprojekte zu überwinden. Wenn die halbe Nachbarschaft ihr Erspartes beispielsweise in ein gemeinsames Sonnenmoduldach steckt, dann ist die Stimmung vor Ort gleich ganz anders, die Menschen fühlen sich beteiligt und profitieren auch finanziell von der Einführung neuer Technologien zur Energieerzeugung.

Eine steife Brise weht hier eigentlich immer und überall. Mittelfristig setzen die Niederlande deshalb massiv auf Windkraft. Doch um das Urgenda-Urteil kurzfristig umzusetzen, muss jetzt erstmal die Sonnenenergie aushelfen.

Nach getaner Arbeit hat Bauer Roeper Zeit für einen Schwatz auf der Sonnenbank vor dem imposanten Backsteinbauernhof. Was die Leute auf Texel von Sonnen- und Windenergie halten, will der euronews-Reporter wissen. Der Landwirt sagt:

"Nun, wenn es um diese riesigen Windturbinen geht, so richtig glücklich sind die Menschen hier auf der Insel nicht über so was. Die wollen das nicht. Wir leben auf einer wunderschönen Insel und viele Menschen denken, Windturbinen sehen hässlich aus. Aber Solarmodule, das geht in Ordnung, die kann man problemlos auf den allermeisten Dächern montieren, ohne dem Insel-Image zu schaden."

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Bauer Roeper um Gespräch mit dem euronews-ReporterEuronews

Sonnenmodule auf dem Radweg

Ebenfalls heiß diskutiert wird die jüngste Innovation auf der Insel: Sonnenmodule auf dem Radweg. Mit dem Einverständnis der Gemeinde probiert Schermer derzeit einen neuen Typ bruchsicherer Module aus. Später im Jahr könnte das Pilotprojekt dann auf das gesamte Radwegenetz der Insel ausgeweitet werden.

Auf Texel gibt es etwa 140 Kilometer Radwege. Und: Die Insel muss 90 Millionen Kilowatt pro Jahr für den lokalen Energieverbrauch von Inselbewohnern und Touristen erzeugen. Das Problem bleibt, dass Sonnenkollektoren auf Radwegen viel teurer sind als Sonnenkollektoren auf der Wiese oder auf dem Dach. Der riesige Vorteil: Paneele auf Radwegen brauchen keinen Extra-Platz. Deshalb haben auch andere Provinzen bereits Module auf Fahrradwegen getestet, mit gemischten Ergebnissen: Einige Solarzellen lösten sich, funktionierten nach einiger Zeit nicht mehr oder gingen kaputt. Deshalb konzentriert sich das Interesse von Nicol Schermer und anderen Experten auf eine neue Generation von "hochbelastbaren" Solarpaneelen: "Diese Module haben sich im Vergleich zu den Paneelen der älteren Generation stark verbessert: Wir haben sie mit einem Gabelstapler getestet, der darüber fuhr, und das ging gut", so Schermer. Die Insel Texel wird bald viele veraltete Radwege erneuern, sodass es ein echtes politisches Interesse der Einheimischen an diesem speziellen Thema gibt: Wenn Solaranlagen auf Dächern kombiniert mit Solaranlagen auf Radwegen und Gartenzäunen mit Solarpaneelen genug Energie erzeugen, wäre das ein Argument, um die Installation riesiger Windturbinen auf der Touristeninsel zu vermeiden.

Schwimmende Solarmodule

Das auf den ersten Blick wohl erstaunlichste Projekt treibt auf dem Wasserreservoir des Golfplatzes: schwimmende Solarmodule. Die Niederlande sind ein extrem dicht besiedelter Staat, große Sonnenmodulanlagen auf Feldern - so wie derzeit zwischen Regionen und Regierung diskutiert - verschlingen Raum. Deshalb sucht Schermer nach Alternativen.

Die schwimmenden Module produzieren ordentlich Strom - weshalb Schermer nun auch mitforscht, um eine Technik zu entwickeln, Sonnenmodule eines Tages vielleicht sogar auf der rauen Nordsee zu installieren. Marja Minnesma meint:

"Was ich an Dir und Texel mag, ist, dass Du hier Sachen ausprobierst, die wir später überall in den Niederlanden anwenden können. Wieso sind eigentlich diese schwimmenden Sonnenmodule besser als die an Land?"

Nicol Schermer erklärt uns, dass Wasser rar ist auf der Insel. Deshalb gibt es Reservoire. Daraus verdunstet im Sommer so einiges, leider. Doch dank der schwimmenden Sonnenmodule verdunstet weniger von dem kostbaren Na´ß, "wir sparen 15 bis 20 Prozent Wasser", meint Schermer. Außerdem kühlt das Wasser die Module und diese Kühlung bewirkt, dass übers Jahr mehr Energie produziert wird.

Nicol Schermers neues Kirschbäumchen wartet immer noch auf der Rückbank. Sonne spielte bereits früher eine wichtige Rolle in Schermers Leben. Zunächst baute er sich eine berufliche Existenz im Gartenbau auf. Da war er bald Spitze - und exportierte sein Wissen sogar in Krisengebiete des Nahen Osten. Auf seinem Inselgrundstück greift Schermer zum Spaten, hebt ein Loch aus für den jungen Baum, den ihm Minnesma mitgebracht hat. Dabei erzählt er aus seinem Leben:

"Meine Geschichte ist schon verrückt. Jetzt stehe ich hier und pflanze einen Baum", so Schermer. "Vor Jahren war ich im Irak, habe in Erbil eine Baumschule aufgebaut. Dort ist mir klar geworden, welche Unmengen an Elektrizität man aus Sonnenlicht gewinnen kann. Das hat mir die Augen geöffnet. Die Idee hab ich dann anschließend mit zurückgenommen in die Niederlande. Damit schließt sich der Kreis."

Drei von vier Niederländern bewerten den Klimawandel als ernstes Problem

Amsterdam - überall Radfahrer und Windmühlen - mit diesem Postkartenklischee haben es die Niederlande geschafft, sich das Image einer klimafreundlichen Nation zurechtzubiegen, doch das ist ein Zerrbild. Dank seiner Erdgasvorkommen hängt das Land von fossilen Energieträgern ab.

Rechtsparteien, aber auch gesellschaftliche Beobachter wie der in Politikerkreisen gut vernetzte Journalist und Blogger Syp Wynia kritisieren die jetzt beschleunigte Energiewende - und werfen der grünen Lobby Antiparlamentarismus vor. Man dürfe in einer parlamentarischen Demokratie - so sein Kernargument - nicht Richter über Exekutive und Legislative stellen, es sei Sache der gewählten Politiker, die Modalitäten wie Geschwindigkeit und Techniken der Energiewende zu entscheiden.

"Auch in diesem Land sollte das Parlament entscheiden. Aber bei der Klimapolitik hat in diesem Land - ich bedauere sehr, das sagen zu müssen - das Parlament kaum etwas mitzureden", so Wynia.

Auch die Erdgaslobby macht mobil. Nach einer Reihe von kleineren und mittleren Erdbeben in den niederländischen Erdgasfördergebieten hatte ein Umsteuern eingesetzt, weg von der bisherigen Nur-Erdgas-Politik. Die jetzige Regierung scheint es nun Ernst zu meinen mit der Diversifizierung des Energiemix, mit Energiewende und Dekarbonisierung. Aber wird dieser durch das Urgenda-Urteil auch juristisch gedeckte Weg in Zukunft weiterverfolgt werden? Wynia hat da so seine Zweifel: "In einigen Monaten gibt es Wahlen (März 2021) und bereits jetzt ist zu sehen, dass die größten Parteien auf Distanz gehen zu den Hauptelementen der Klimapolitik, sie bringt nichts und ist extrem teuer. Die Menschen interessieren sich mehr für Wirtschaft als für den Klimawandel."

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Syp WyniaEuronews

Aber stimmt das auch? Umfragen zeigen, dass drei von vier Niederländern den Klimawandel als sehr ernstes Problem bewerten.

Fast drei Viertel der Befragten in den Niederlanden sehen den Klimawandel als ein "sehr ernstes" Problem an (74%, gegenüber dem EU-Durchschnitt von 79%). Mehr als ein Viertel sehen den Klimawandel als das weltweit gravierendste Problem an (27%, über dem EU-Durchschnitt von 23%). Fast zwei Drittel (64%, gegenüber einem EU-Durchschnitt von 60%) geben an, dass sie in den vergangenen sechs Monaten persönlich Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels ergriffen haben (64%, gegenüber einem EU-Durchschnitt von 60%). Wenn jedoch konkrete Beispiele für Klimaschutzmaßnahmen angeführt werden, steigt dieser Anteil bei fast allen Befragten (97% gegenüber dem EU-Durchschnitt von 93%).

Der Anteil der Befragten, die in ihrem Haus Geräte zur Kontrolle und Reduzierung des Energieverbrauchs installiert haben, ist seit 2017 um 21 Prozentpunkte gestiegen und liegt mit 46% deutlich über dem EU-Durchschnitt (16%). - Sowohl die Zahl der Befragten, die beim Kauf neuer Haushaltsgeräte einen geringeren Energieverbrauch berücksichtigen (72% gegenüber dem EU-Durchschnitt von 48%), als auch der Befragten, die regelmäßig umweltfreundliche Alternativen zu ihrem privaten Auto nutzen (63% gegenüber dem EU-Durchschnitt von 37%), ist um sieben Prozentpunkte gestiegen.

Eine sehr große Mehrheit der Niederländer (92%, was dem EU-Durchschnitt entspricht) unterstützt das Ziel einer klimaneutralen EU bis 2050.

Fakten & Zahlen für die EU

  • 93% der EU-Bürger sehen den Klimawandel als ein ernstes Problem und 79% als ein sehr ernstes Problem an.
  • 92% der Befragten halten es für wichtig, dass sich ihre nationale Regierung ehrgeizige Ziele zur Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien setzt, und 89% sind der Meinung, dass die Regierungen bis 2030 Unterstützung für die Verbesserung der Energieeffizienz leisten sollten.
  • 84% glauben, dass der Übergang zu sauberen Energien mehr öffentliche finanzielle Unterstützung erhalten sollte, auch wenn dies eine Reduzierung der Subventionen für fossile Brennstoffe bedeutet.
  • 92% der Befragten - und mehr als acht von zehn Befragten in jedem Mitgliedstaat - stimmen zu, dass die Treibhausgasemissionen auf ein Minimum reduziert werden sollten, wobei die verbleibenden Emissionen ausgeglichen werden sollten, damit die EU-Wirtschaft bis 2050 klimaneutral wird.

Interview mit "Mister Klima"

In Den Haag, dem Sitz der Regierung, trifft der euronews-Reporter Sandor Gaastra, Generaldirektor im Wirtschaftsministerium. An ihm liegt es, die Klimapolitik umzusetzen. Jetzt steht er unter Zeitdruck. Das ganze Gespräch finden Sie im Bonus-Interview.

Euronews-Reporter Hans von der Brelie:
Bis Ende des Jahres müssen sie liefern, dann müssen die CO2-Emissionen unten sein. September, Oktober, November, Dezember, was geschieht nun konkret?

Sandor Gaastra, Generaldirektor im niederländischen Ministerium für Wirtschaft und Klima:
Die wichtigste Maßnahme ist die Kapazitätsbegrenzung der niederländischen Kohlekraftwerke. Mit dieser größten Maßnahme werden wir das Ziel bis Ende des Jahres erreichen, was bedeutet, dass die Kohlekraftwerke ihre Produktion um zwei Drittel ihrer Kapazität reduzieren müssen. Zudem beschleunigen wir alles, was dazu beiträgt, Wohnungen und Büros nachhaltiger zu machen. Um ihnen eine Zahl zu nennen: für Wärmedämmung gibt es jetzt noch einmal 150 Millionen Euro an Subventionen. Damit sollen Häuser und Geschäfte nachhaltiger werden.

Euronews:
Was plant die niederländische Regierung im Bereich Windenergie?

Sandor Gaastra:
Für den Zeitraum bis 2030 haben wir bereits elf Gigawatt Offshore-Windkapazität geplant. Derzeit überprüfen wir, ob da noch mehr drin ist.

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Sandor Gaastra, Generaldirektor im niederländischen Ministerium für Wirtschaft und KlimaEuronews

Massentierhaltung und Klimaschutz: geht das unter einen Hut?

Auch die Massentierhaltung macht es für die Niederlande schwierig, ihre Klimaziele zu erreichen. Beispiel Legebatterien und Klimaschutz - geht das überhaupt unter einen Hut? Doch, ja, sagt Maurits Groen, Top-Manager bei Kipster, nachhaltiger Unternehmer, Mitglied des Club of Rome und einer der Urgenda-Kläger. Groen ist ein nicht nur in den Niederlanden bekannter Klimaaktivist - sowie Herr über viele zehntausend Hühner. Und was ist mit der CO2-Bilanz?

"Wir produzieren kein Hühnerfutter, also brauchen wir keine landwirtschaftlichen Nutzflächen. Wir verfüttern nur sogenannte Abfälle beispielsweise Backreste. Das ist das eine. Zweitens produzieren wir unseren gesamten Energiebedarf selbst. Auf dem Dach haben wir rund 1100 Solarmodule, wir produzieren mehr Strom als wir verbrauchen. Drittens die Verpackung. Die Eierkartons werden aus Abfallprodukten der Kartoffelindustrie hergestellt - und sind fast emissionsfrei", so Groen.

Picken wir uns mal einige Zahlen heraus: Im Durchschnitt produziert jeder Europäer 8,6 Tonnen CO2 pro Jahr. In den Niederlanden sind es atemberaubende 11.6 Tonnen pro Kopf - das ist sogar mehr als in Polen. Auch Deutschland hat mit 10.7 Tonnen CO2-Ausstoß pro Kopf eine schlechte Klimabilanz. Bei EU-Mitgliedern wie Portugal, Spanien, Italien und Frankreich liegt die Zahl bei etwa sieben Tonnen.

Italien 7,3 Tonnen pro Kopf und Jahr, Griechenland 9 t/Jahr, Vereinigtes Königreich 7,5 t/Jahr, Ungarn 6,6 t/Jahr, Portugal 7 t/Jahr, Spanien 7,5 t/Jahr, Frankreich 6,9 t/Jahr, Deutschland 10,7 t/Jahr: Diese neuen Eurostat-Daten basieren auf den neuesten bisher verfügbaren Vergleichszahlen ab 2018 und berücksichtigen noch keine Änderungen aufgrund von COVID-19.

Wie sollten sich große Nahrungsmittelproduzenten in den Niederlanden oder anderswo verhalten? Maurits Groen meint, so wie er: keine Antibiotika, keine Schlachtung aller männlicher Küken, Freilauf- und Freiluftgehege, Klettergerüste, viel Luft und Lauffläche, artgerechte Tierhaltung eben, aber großflächig und energieneutral.

"Schauen Sie sich doch einfach mal um, hier bei uns! Man kann produzieren, ohne dem Tierwohl oder der Natur zu schaden. In den kommenden Jahren werden wir weitere Hühnerfarmen bauen, in den USA, Belgien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien. Unsere Methode soll DER Produktionsstandard werden. Ich denke, es geht um nichts weniger als den Bestand der Menschheit - so einfach ist das."

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Maurits GroenEuronews

Auch betriebswirtschaftlich scheint Kipster seine Kosten im Griff zu haben. Im Euronews-Gespräch betont Groen, dass es wichtig sei, mit den Abnehmern - also Einzelhandel, Supermarktketten und so weiter - mehrjährige Preisabsprachen zu treffen, nur so könne man Planungssicherheit erreichen und die Kosten kalkulieren. Groens Hauptabnehmer, eine internationale Supermarktkette, hat mit Kipster einen Fünfjahresvertrag abgeschlossen, "wir haben uns auf offene Bücher geeinigt", erläutert Groen. Der Eiergroßkunde hat Einblick in die Kostenkalkulation von Kipster, und umgekehrt.

Vom Happy Huhn zum Glücksschwein

Nächstes Treffen: ein glücklicher Schweinehalter inmitten einer glücklichen Schweineherde. Eine Muttersau durchpflügt mit ihrem Rüssel das Erdreich vor dem Bauernhof, gefolgt von einer zahlreichen Ferkelschar. Zufrieden grunzend legt sich das Tier in seine Kuhle, sofort hängt der Nachwuchs an den Zitzen.

Schweinehalter Bert Pappot ist nicht wütend. Das muss man hier einmal so sagen, denn die meisten niederländischen Schweinehalter sind stinksauer: wegen der Regierung mit ihrer Klimaschutzpolitik oder wegen der EU und der Reform der Landwirtschaftspolitik. In den vergangenen Monaten gab es in den Niederlanden Demonstrationen aufgebrachter Landwirte, Menschen, die Angst haben, dass sich das Blatt wendet, weg von der Intensivtierhaltung. Doch Pappot sieht das anders, er ist durchaus damit einverstanden, dass die überdimensionierte Agro-Industrie der Niederlande verkleinert werden sollte.

Der Sohn eines Metzgers hatte lange Zeit selber auf Intensivtierhaltung gesetzt, dann dachte er um, setzt nun auf Qualität statt Quantität. Pappot wirkt zufrieden, er fährt nun zweigleisig, arbeitet für einen Futtermittelhersteller und nebenbei als Biofleischbauer. Finanziell kommt er damit über die Runden. Auch wenn er zugibt, dass er mit seinem etwas kostspieligeren Qualitätsfleisch einen Nischenmarkt bedient.

"Wir verfüttern normales Schweinefutter", erklärt Pappot, "aber ohne Mais und Soja." Also umweltfreundlicher und mit geringerem CO2-Ausstoß. "Der große Unterschied zu früher ist, dass die Schweine jetzt im Freien herumlaufen können", sagt Pappot. Die Tiere können das Grasland aufwühlen und nächstes Jahr werden sie in Blumenfelder ziehen, wo Pappot eine schmackhafte Gewürzmischung ausgesät hat.

Und was sagt Pappot zu den Demonstrationen vor einigen Wochen, als niederländische Landwirte auf die Straße gingen, weil sie sich durch verschärfte Stickstoff- und CO2-Grenzwerte "bedroht" fühlten? Bert Pappot meint: "Die Bauern halten zu viele Schweine, um die Kosten zu drücken. Nicht jeder kommt aus diesem Teufelskreis raus, auch wenn das viele Schweinehalter möchten. Früher hatten wir 450 Zuchtsauen, heute nur noch 25. In der Vergangenheit haben wir zu viele Billigschweine produziert, nie einen guten Preis erzielt. Das mache ich nicht mehr."

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Schweinebauer Bert Pappot und sein elfjähriger Sohn GijsbertEuronews
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Bert PappotEuronews

Pappots elfjähriger Sohn Gijsbert - auch er will später einmal Schweinehalter werden - fügt an: "Für die Schweine ist so ein kleinteiliges Geschäftsmodell wie bei uns viel besser. Unser Bauernhof ist das Modell für die Zukunft. Diese altmodische Massentierhaltung hat in unserer Zeit nichts mehr zu suchen."

Welche Energieversorgung für die Industrie?

Als hochindustrialisiertes Land stehen die Niederlande vor der Aufgabe, ihre gesamte Energieversorgung neu zu erfinden. Weg vom Erdgas - hin zur Wasserstofftechnologie, darauf bereiten sich die meisten Wirtschaftssektoren vor. Das Modell der Zukunft: riesige Offshore-Windkraftanlagen holen Energie aus dem Wind, damit wird Wasserstoff erzeugt, der Wasserstoff deckt den Energiebedarf der Fabriken.

Beim Abfallverwerter Omrin setzt man hingegen auf klimaneutrales Biogas und auf Kreislaufwirtschaft. Bester nachhaltiger Betrieb der Niederlande, das ist der Preis, mit dem Omrin gerade ausgezeichnet wurde.

Derzeit verwenden die Industriebetriebe der EU in ihrer Produktion gerade einmal zwölf Prozent wiederverwertete Rohstoffe. Mit ihrem "Green Deal" will die Europäische Kommission Unternehmen dazu bringen, diesen Anteil zu erhöhen. Omrin gilt hierbei als Vorbild. Omrin-Sprecher Jelmar Helmhout sagt:

"Wir haben den Preis des nachhaltigsten Unternehmens gewonnen, weil wir aus den aussortierten organischen Abfällen Biogas produzieren. Ausserdem holen wir das Plastik aus dem Müll und stellen daraus neue Rohstoffe und neue Produkte her. Damit schaffen wir es, den CO2-Ausstoß zu reduzieren."

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Jedes Jahr erzeugt Omrin aus organischem Abfall neun Millionen Kubikmeter Biogas. Damit werden Mülllaster betankt und Privathaushalte in der Gegend versorgt. Omrin ist Teil eines Netzwerkes von Firmen, die gemeinsam nachhaltige Produktionsmethoden entwickeln:

"So eine Wende kann schnell umgesetzt werden, man muss zusammenarbeiten, innovativ sein und Regierung, Industrie und Ausbildungseinrichtungen müssen an einem Strang ziehen", meint Helmhout. "In diesem Inudstriegebiet hier schaffen wir das. Wir testen viele neue Materialien, reduzieren das Restmüllaufkommen und verbessern zugleich die Wiederverwertungsrate des Wertstoffmülls." (Jelmar Helmhout)

Ernst mit der Energiewende

Die Niederlande machen Ernst mit der Energiewende. Damit auch Otto Normalverbraucher mitzieht, gibt es steuerliche Vergünstigungen. Ruud Sweering - er arbeitet als Sicherheitsbeauftragter bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben - und seine Lebensgefährtin Jarka Plevier haben ihr kleines Haus mit Solarmodulen, einer Wärmepumpe und Wärmedämmung klimaneutral gemacht. Sweering nennt sich einen "Kontroll-Freak": die Post des Energieversorgers prüft er genau nach:

"Am Ende des Jahres hat man uns 400 Euro zurückerstattet. In den zurückliegenden neun Monaten haben wir mehr Elektrizität in das Netz eingespeist, als wir verbraucht haben. Wir sind nicht nur klimaneutral, wir sind unser eigenes Kraftwerk", so Sweering voller Stolz. Um noch mehr Energie ins Netz einspeisen zu können, installierten sie sogar eine Solarveranda.

Die Europäische Union möchte bis 2050 klimaneutral werden. Die Sanierung von Wohnungen gehört mit zu diesem "Green Deal" der EU Kommission.

Der euronews-Reporter will genaue Zahlen wissen: Wie viel Geld wurde investiert, wie viel Subventionen gab es - und wann zahlt sich das aus? Ruud Sweering antwortet:

"Ich glaube, wir haben insgesamt zwischen 30- und 40.000 Euro investiert, davon sind 10.000 Euro Subventionen. Wir müssen jetzt keine Stromrechnungen mehr bezahlen. Wir haben das einmal hochgerechnet: in 14 bis 15 Jahren haben wir das Geld wieder reingeholt, außedem ist unser Haus nun viel mehr Wert."

Seine Lebensgefährtin sagt: "Die Regierung sollte Leuten, die ihr Haus klimaneutral umbauen möchten, finanziell stärker unter die Arme greifen. Für so etwas sollte es mehr Geld geben." - Ruud Sweering ergänzt zufrieden: "Im Winter ist das (bei uns zu Hause) supergemütlich und wir sind klimaneutral. Es ist komfortabel und besser für die Welt."

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Ruud Sweering und seine Lebensgefährtin Jarka PlevierEuronews

Das niederländische Urgenda-Urteil hat weltweit Beachtung gefunden. Werden jetzt die Gerichte das Klima retten? Nicht unbedingt - während die niederländischen Richter ihre Regierung zu mehr Tempo beim Klimaschutz verurteilten, wurden ähnliche Klagen in Deutschland abgewiesen. Anderswo laufen die Verfahren noch. Der Kampf ums Klima geht weiter.