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Protest gegen Brasiliens Präsidenten Bolsonaro - Der Sensenmann geht in Berlin um

Ein brasilianischer Aktivist, der als Sensenmann gekleidet ist, zieht jede Nacht durch die dunklen Straßen Berlins, um gegen die, wie er es nennt, "tödliche Gesundheitspolitik" zu protestieren, die der Präsident seines Heimatlandes im Zuge der Coronavirus-Pandemie verfolgt.

Der Multimedia-Künstler Rafael Puetter, der seit fünf Jahren in Berlin lebt und ursprünglich aus Rio de Janeiro stammt, beginnt seinen Protest immer um Mitternacht an der brasilianischen Botschaft in Berlin.

Dann geht er zum Brandenburger Tor und zum nahe gelegenen Bundestag, vor dem er für jeden der in den letzten 24 Stunden in Brasilien gestorbenen Menschen einen Sonnenblumenkern abzählt und in ein Glas legt.

Mitten in der sich verschärfenden Pandemie hat Brasilien erstmals mehr als 4000 mit dem Coronavirus infizierte Opfer an einem Tag registriert. Innerhalb von 24 Stunden seien 4195 Tote im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet worden, teilte das Gesundheitsministerium des größten Lands Lateinamerikas mit.

An den Vortagen waren die Zahlen deutlich niedriger. Medienberichten zufolge wurden nun zahlreiche Todesfälle aus den Osterfeiertagen nachgemeldet.

Bislang hatten lediglich die USA mehr als 4000 Tote pro Tag gemeldet. In Brasilien ist die Corona-Pandemie rund ein Jahr nach Beginn weitgehend außer Kontrolle geraten. In vielen Teilen des Landes steht das Gesundheitswesen vor dem Zusammenbruch.

Der rechte Präsident Jair Bolsonaro hat das Coronavirus von Anfang an verharmlost. Angesichts zunehmender Kritik an seinem Krisenmanagement baute der Ex-Militär zuletzt sein Kabinett um.

Bislang haben sich in Brasilien über 13 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, fast 337 000 Patienten sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Zuletzt hatten Wissenschaftler in dem südamerikanischen Land zudem eine neue Variante des Coronavirus identifiziert.