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Wettlauf um Arktis: Ist Russland nach NATO-Beitritt Schwedens und Finnlands eine Gefahr für NATO?

In den vergangenen Jahren sind Russland und China in der Arktis militärisch aktiver geworden. Die NATO muss ihre Sicherheitslücken schließen.
In den vergangenen Jahren sind Russland und China in der Arktis militärisch aktiver geworden. Die NATO muss ihre Sicherheitslücken schließen. Copyright AP
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Von Heilika LeinusClara Preve
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Nach dem NATO-Beitritt Schwedens und Finnlands bekämpfen sieben der acht Mitglieder des Arktischen Rates die Bedrohung durch Russland im Hohen Norden. In den letzten Jahrzehnten hatte Moskau dort einen erheblichen militärischen Vorteil.

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Russland hat in der Arktis seit Jahrzehnten einen militärischen Vorteil, aber die NATO hofft, dass der Beitritt Schwedens und Finnlands dem Militärbündnis helfen könnte, schnell aufzuholen. Nach Angaben des International Institute for Strategic Studies (IISS) verfügt Moskau über „bedeutende“ Langstreckenverteidigungsfähigkeiten, welche die NATO in der Arktis „sicherlich herausfordern“.

Laut einem Bericht von Reuters und IISS sind acht der elf U-Boote Russlands, die in der Lage sind, weitreichende Atomwaffen abzufeuern, auf der arktischen Halbinsel Kola stationiert. Russland ist den übrigen arktischen Ländern bei der Militarisierung der Region voraus, sagte Nima Khorrami, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arktischen Institut, Euronews. Doch die NATO sei dabei, diese Lücke zu schließen.

Als Schlüsselakteure am Polarkreis haben Schweden und Finnland ihre Militär- und Verteidigungsfähigkeiten gegen die Bedrohung ausgebaut, die das dortige Nachbarland Russland darstellt. Im April 2023 ist Finnland der NATO beigetreten, im März 2024 folgte Schweden. Ihr NATO-Beitritt bedeutet, dass sieben der acht Mitglieder des Arktischen Rates dem Militärbündnis angehören.  

Der Arktische Rat ist ein zwischenstaatliches Forum mit ständigem Sitz im norwegischen Tromsø, das 1996 zum Interessenausgleich zwischen den arktischen Anrainerstaaten und den in der Region lebenden indigenen Völkern gegründet wurde.  

Ursula von der Leyen (zweite von links), Grönlands Premierminister Mute B. Egede (links) und Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (Mitte) im März 2024 in Grönland.
Ursula von der Leyen (zweite von links), Grönlands Premierminister Mute B. Egede (links) und Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (Mitte) im März 2024 in Grönland.Leiff Josefsen/Leiff Josefsen Box 1050, 3900 Nuuk

Heute setzten die Mitgliedstaaten Kanada, Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Russland, Schweden und die Vereinigten Staaten sich vor allem für den Klimaschutz und die Sicherheit in der Region ein. Außerdem gibt es die sogenannten Beobachter, wie Deutschland Großbritannien, China und Indien, die ebenfalls mitwirken und bestimmte von ihnen erwünschte Projekte finanzieren können. 

Die NATO muss noch einen Plan ausarbeiten, um ihre beiden neuesten Mitglieder in ihre Arktis-Strategie einzubeziehen, aber „Russland sieht sich aufgrund der NATO-Mitgliedschaft der sieben Arktis-Staaten im Nachteil“, sagte Khorrami. 

Dadurch würde die NATO eine gemeinsame Bedrohungswahrnehmung in der Arktis entwickeln können. Das würde wiederum eine bessere und schnellere Koordinierung ermöglichen. „Die NATO kann ihre Position verbessern und ihre Ressourcen schneller einsetzen und so zu einer bedeutenden Sicherheitspräsenz in der Arktis werden“, so Khorrami. 

Schweden und Finnland als NATO-Stützpunkte in der Arktis

Schweden und Finnland hätten „wichtige arktische Kapazitäten“ entwickelt, sagte Sophie Arts, Programmbeauftragte der Stiftung German Marshall Fund of the United States, Euronews. Stockholm hat sein Verteidigungsbudget erhöht und darüber nachgedacht, wie es seinen Personalbestand aufgrund der russischen Bedrohung in der Region erhöhen kann, sagte Arts.

Noch bevor sie der NATO beigetreten sind, hätten die beiden Länder in der Arktis mit NATO-Verbündeten wie Norwegen zusammengearbeitet, fügte Arts hinzu. Im Jahr 2022 unterzeichneten Schweden, Finnland und Norwegen ein Verteidigungskooperationsabkommen mit besonderem Schwerpunkt auf der Arktis. Im Rahmen des Abkommens einigten sich die Länder darauf, gemeinsame operative Prozesse im Hohen Norden zu stärken und ihren Streitkräften eine stärkere Zusammenarbeit zu ermöglichen.

"Nordic Response 24 ist ein hervorragendes Beispiel für die Zusammenarbeit der NATO-Verbündeten, um unsere Sicherheit im Norden zu schützen. 20.000 Soldaten aus 13 Ländern, inklusive sechs arktische Staaten, verstärken die Abschreckungs- und Verteidigungspositionen der NATO auf dem Land, auf der See und in der Luft", schrieb der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Admiral Rob Bauer auf X anlässlich einer Militärübung der NATO.

Die arktischen Gebiete Schwedens haben eine wichtige Rolle bei der Entwicklung Europas gespielt. Das staatliche Bergbauunternehmen LKAB mit Sitz in Luleå betreibt unter anderem das weltgrößte Eisenerzbergwerk in Kiruna. Dort wird hochwertiger phosphorhaltiger Magnetit gewonnen. Etwas 80 Prozent des in Europa verwendeten Eisenerzes kommen aus diesem Werk.

Außerdem verfügt Schweden über den einzigen Ballon- und Raketenstartplatz für den Start von Höhenforschungsraketen und orbitalen Trägerraketen in der ganzen Europäischen Union. Die European Space and Sounding Rocket Range (kurz Esrange) in der Nähe von Kiruna ist wichtig im Weltraumwettlauf, denn sonst hätte Europa neben den Vereinigten Staaten, China und Russland kaum eine Chance. 

Im Norden des Landes baut Schweden einen großen Datenverarbeitungsknotenpunkt auf. Auch Facebook verfügt seit 2017 über ein Rechenzentrum in Luleå.  

Eine der größten künftigen Herausforderungen für die NATO sei jedoch der Mangel an Lagebewusstsein in der Arktis. So sei das Bündnis potenziellen Bedrohungen ausgesetzt, sagte Arts. Eine der großen Fragen sei, „wie die NATO ihre Streitkräfte und Verteidigungspläne über verschiedene Schauplätze und Bereiche hinweg integrieren kann, um sicherzustellen, dass sie einen 360-Grad-Sicherheitsansatz schafft“, sagte sie. 

"Wachsam" gegenüber Bedrohungen

Im Oktober 2023 warnte Admiral Rob Bauer, vor der unmittelbaren Bedrohung durch Russland und China in der Arktisregion und forderte das Bündnis auf, „wachsam“ gegenüber unerwarteten Schritten der Rivalen zu bleiben.

„Der zunehmende Wettbewerb und die Militarisierung in der Arktisregion, insbesondere durch Russland und China, sind besorgniserregend. Durch das schmelzende Eis in der Arktis entstehen neue Seewege, die den Transport großer Schiffe erleichtern und die Navigationszeiten verkürzen würden. Wir können nicht naiv sein und die potenziell schändlichen Absichten einiger Akteure in der Region ignorieren“, sagte Admiral Bauer während der Arctic Circle Assembly.

"Die zunehmende Militarisierung der Arktis ist besorgniserregend. NATO muss bereit sein, auch im hohen Norden mit dem Unerwarteten zu rechnen". NATO intensiviert ihre Übungen in der Arktis, verstärkt das Joint Force Command Norfolk und Verbündete verstärken ihre Präsenz”, schrieb Bauer im Oktober auf X. 

Zusätzlich zur Gefahr, die aus Russland ausgeht, strebt China nach Einfluss im hohen Norden. Peking bezeichnet sich selbst als arktischen Staat und schmeichelt Moskau, um seinen Zugang zu erweitern. Im vergangenen Jahr kündigten die beiden Länder eine Partnerschaft zur Förderung der Entwicklung der Nordseeroute an. Sie ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten in der Arktis. 

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China und Russland haben gemeinsame Erdgasproduktionsprojekte in der Arktis gestartet. Damit hat sich Peking für seinen Riesenmarkt für Flüssigerdgas (LNG) eine neue Gasquelle verschafft. Im Jahr 2022 führten Kriegsschiffe beider Länder eine gemeinsame Übung im Beringmeer durch, das Alaska und Russland trennt. Im Oktober desselben Jahres erhöhte Norwegen seine militärische Alarmstufe.

Liselotte Odgaard, Senior Fellow am Hudson Institute ist der Meinung, dass der NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens in der Ostseeregion eine größere Bedeutung hat als in der Arktis. Aufgrund geografischer Faktoren haben andere Länder wie Norwegen und Dänemark in der Arktis "legitime Patrouillenaufgaben" in Gebieten, in denen die Russen ihren Einfluss ausweiten könnten.

"Die russischen Atomraketen, die in der Arktis stationiert sind, werden höchstwahrscheinlich durch den grönländischen Luftraum abgefeuert, weil dieser Luftraum so wenig überwacht wird. Das bedeutet, dass Dänemark über mehr Überwachungsmöglichkeiten verfügen sollte", sagte Odgaard Euronews.

Laut Odgaard verfügt kein NATO-Land über eisverstärkte Schiffe mit Flugabwehr- und U-Boot-Abwehrkapazitäten. Russlands Atom-U-Boote, die einen Angriff bis nach Nordamerika starten können, können unbemerkt von der Barentssee nach Grönland gelangen. Das sei eine große Lücke in der Verteidigungsfähigkeit der NATO.

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