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Auf (Nimmer-)Wiedersehen, 2020! Was uns in diesem Jahr bewegt hat

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Von Cornelia Trefflich
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Auf (Nimmer-)Wiedersehen, 2020! Was uns in diesem Jahr bewegt hat
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In einem Teil der Welt ist das turbulente Jahr 2020 schon zu Ende.

Auckland, Neuseeland, hat um 12 Uhr MEZ als erstes das neue Jahr eingeleitet. Die Feierlichkeiten am Sky Tower und an der Harbour Bridge in Auckland werden wie in jedem Jahr abgehalten.

Um 14 Uhr MEZ war es in Sydney, Australien soweit. Prosit, Neujahr und willkommen 2021!

2020 war das Jahr der Pandemie, des Lockdowns, der Krise...aber auch ein Jahr, das menschliche Beharrlichkeit, Solidarität offenlegte. 365 Tage voller Turbulenzen, ein "Annus horribilis" voller wertvoller Lektionen. Ein Rückblick.

Das Jahr 2020 begann mit der Eskalation der Spannungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten, die durch den von Präsident Donald Trump angeordneten Tod des iranischen Generals Ghassem Soleimani entfacht wurde. In einer Vergeltungsaktion traf eine iranische Rakete versehentlich ein ukrainisches Flugzeug, an Bord mehr als 63 Kanadier.

Eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen beiden Nationen konnte verhindert werden, die Wogen glätteten sich im Laufe des Jahres, wohl auch, weil eine andere Gefahr am Horizont auftauchte, die uns das gesamt Jahr beschäftigt hat und wohl Generationen prägen wird: das zuerst in der chinesischen Stadt Wuhan aufgetauchte neue Coronavirus verbreitet sich zunehmend in anderen Teilen der Welt - und das mit rasender Geschwindigkeit.

Ungefähr Mitte März blieb die Welt gefühlt stehen, der Planet atmete auf, während die Hälfte der Menschen rund zwei Monate in irgendeiner Form des Lockdowns verbrachte. Dinge, die vorher schier unmöglich schienen, wurden zur neuen Normalität. Leergefegte Straßen von Weltmetropolen, Tausende von Flugzeugen blieben am Boden, einst quirlige Flughäfen blieben wie ausgestorben, Millionen von Menschen, die in ihren Wohnung ausharrten. Musik von Balkon zu Balkon, gemeinsames Singen am Fenster, Beifall für die Menschen, die in systemrelevanten Jobs arbeiteten. Der Nasen-Mund-Schutz wurde zum obligatorischen Accessoire auf den Straßen, Abstand halten und Arbeiten im Homeoffice waren an der Tagesordnung - während das soziale Leben fast völlig zum Erliegen kam.

Als der Sommer in der nördlichen Hemisphäre einzog, legte die Corona-Pandemie eine kurze Atempause ein und mit ihr die Menschen. Vorsichtig begann man, wenigstens ein bisschen von der alten Normalität zurückzugewinnen.

Dann knallte es in der libanesischen Hauptstadt - unerwartet und schockierend rückte Beirut ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Welt. Eine gewaltige Explosion, deren Schockwelle noch in mehreren Kilometern Entfernung zu spüren war, tötete in der libanesischen Hauptstadt mehr als 100 Menschen und verletzte Tausende. Ganze Straßenzüge sahen aus, als wären sie das Ziel intensiver Bombardierungen gewesen.

In Belarus erklärte sich Alexander Lukaschenko nach einer umstrittenen Präsidentenwahl Anfang August zum Wahlsieger. Lukaschenko regiert das Land seit 26 Jahren. Die Opposition gewann an Einfluss, seit den Wahlen gehen Tausende Woche für Woche auf die Straße und fordern den Rücktritt des Machthabers. Die EU erkennt Lukaschenko ebenfalls nicht mehr als Präsidenten an und verhängte Sanktionen gegen das Land. Die weiß-rote Fahne wird zum Symbol der Demokratiebewegung.

Ein weiterer schockierender Moment, der uns aus dem Jahr 2020 in Erinnerung bleiben wird, ist der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd, als er in Minneapolis am helllichten Tag bei seiner Festnahme durch die Polizei starb. Vor seinem Tod äußerte er einen Satz, der neue Bewegung in die antirassistischen Proteste auf der ganzen Welt brachte: "I can't breathe" - "Ich kann nicht atmen" sagt Floyd, während ein Polizist ihn mit dem Knie im Nacken auf den Boden drückte.

Demonstranten von Belgien bis Mexiko stürzten sich darauf, Statuen niederzureißen, die als Symbole rassistischer Unterdrückung galten.

Vor diesem Hintergrund rückte die US-Präsidentschaftswahl immer näher, der Wahlkampf eine schmutzige Schlammschlacht, die von Trumps Verleumdung der Corona-Pandemie und der "Black Lives Matter"-Bewegung bestimmt wurden.

Im November gewann das Duo Joe Biden und Kamala Harris die Präsidentschaftswahlen. Biden wird der älteste Präsident in der Geschichte seines Landes, die zukünftige Vizepräsidentin Harris steht wie kaum eine andere für die Diversität der USA, mit afroamerikanischen und indischen Wurzeln und erste Frau, die dieses Amt bekleiden wird. Die Times glaubt, dass die beiden Geschichte geschrieben haben und hat sie deshalb zu den Personen des Jahres 2020 ernannt.

Auf der anderen Seite des Atlantiks hat Europa einen neuen Anlauf genommen, eine seit vier Jahren schwelende Wunde endlich zu schließen: noch kurz vor Weihnachten standen die Verhandlungen für einen Brexit-Deal vor dem Aus. Nun scheinen die zähen Verhandlungen kurz vor knapp doch noch von Erfolg gekrönt. Die Europäische Union und Großbritannien einigten sich auf einen Handelspakt und leiteten damit das Ende eines langen und schmerzhaften Trennungsprozesses ein.

Doch während sich alle Augen auf die USA und den Brexit-Deal richteten, schlug die Corona-Pandemie erneut zu. Die zweite Welle - noch furchterregender und größer als die erste - ist in Europa auf dem Vormarsch, verzweifelt zappeln die Staaten, um einen zweiten Lockdown und das daraus folgende wirtschaftliche Desaster zu verhindern. Doch es nützt wenig: nach und nach muss das öffentliche Leben wieder eingeschränkt werden.

Dezember bringt - inmitten den zweiten Welle - Hoffnung. Die ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus sind zugelassen. Menschen auf der ganzen Welt haben sie bereits erhalten. 100-Jährige, die in ihrer Kindheit eine andere Pandemie überlebt haben und jetzt geimpft werden, damit sie auch in den kommenden Jahren optimistisch in die Zukunft blicken können.

Diese Impfstoffe, die in Rekordzeit entwickelt wurden erzählen die beste Geschichte des Jahres 2020: es ist die Geschichte der menschlichen Beharrlichkeit und der Hoffnung. Hoffnung auf das Licht am Ende des Tunnels.

Cutter • Mert Can Yilmaz