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Zuckerbrot oder Peitsche? Corona-Impfpflicht spaltet Europa

Von Cornelia Trefflich mit dpa, AP
Abturientin in München lässt sich impfen, 12.07.2021
Abturientin in München lässt sich impfen, 12.07.2021   -   Copyright  Sven Hoppe/dpa via AP
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Die Atempause währte nur kurz. Schon steigen die Corona-Fallzahlen in Teilen Europas erneut an, mitten im Sommer. Das Anrollen der nächsten Corona-Welle in Form der Delta-Variante ist in aller Munde. Gleichzeitig verlangsamt sich das Impftempo, obwohl in Deutschland inzwischen genügend Impfstoff zur Verfügung steht.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am vergangenen Dienstag der Impfpflicht in Deutschland eine Absage erteilt. Sie sagte: "Ich glaube, wir können Vertrauen gewinnen, indem wir für das Impfen werben."

Wie Deutschland schrecken die meisten Länder in Europa davor zurück, die Corona-Impfung zur Pflicht zu machen, trotz der sich schnell ausbreitenden Delta-Variante. Wie sieht es in anderen Ländern aus? Eine Auswahl.

Italien macht den Anfang

Lange Zeit schien Italien, eines der europäischen Länder, die zu Beginn der Pandemie am härtesten getroffen wurden, eine Ausnahme zu sein, als es im März 2021 die Corona-Impfung als verpflichtend für medizinisches Personal einführte.

Ein Gesetzesbeschluss vom 25. Mai verpflichtet Ärzte und Mitarbeiter:innen des Gesundheitswesens, sich impfen zu lassen. Beim Unterlassen drohen Suspendierung vom Dienst und eine Versetzung in eine Abteilung, die nicht in Kontakt mit Menschen steht (Verwaltung etc.), oder aber eine unbezahlte Suspendierung vom Dienst, wenn der Arbeitgeber keine anderen Aufgaben zuweisen kann.

Rund 300 italienische Pflegekräfte haben dieses Gesetz vor Gericht angefochten. In Italien wurden bis Mitte Juli 41,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Sanktionen im Vatikan

Seit Februar sieht der Stadtstaat mögliche Sanktionen für Angestellte vor, die ohne nachweisbare gesundheitliche Gründe eine Impfung verweigern, bis hin zu ihrer Entlassung. Eine kritisierte Maßnahme, die die Regierung des Heiligen Stuhls erklären musste. Das erlassene Dekret solle versuchen, ein Gleichgewicht zwischen Gesundheitsschutz und Achtung der individuellen Wahlfreiheit zu schaffen, hieß es.

Gar nicht mehr so freiwillig: Corona-Impfung in Frankreich

Lange setzte das westeuropäische Land auf Freiwilligkeit. Doch die von der Regierung angestrebte Impfquote, bis zum "Ende des Sommers" 60 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft zu haben, ist nicht in greifbarer Nähe. Bis Mitte Juli 2021 waren knapp 44 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Die Impfquote bewegt sich damit im unteren Mittelfeld im Vergleich zu anderen Staaten Europas.

In seiner letzten Regierungsansprache hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angekündigt, eine Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitssektor und im Pflegebereich einzuführen. Sie haben bis 15. September Zeit, sich impfen zu lassen. Andernfalls werden sie von ihrem Posten freigestellt und nicht mehr entlohnt.

Schon seit dem 9. Juni 2021 gibt den sogenannten “Gesundheitspass”, der es den Französ:innen ermöglicht, beispielsweise an Massenveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen teilzunehmen. Ab dem 21. Juli ist der “Pass Sanitaire” Pflicht für alle, die kulturelle Veranstaltungen wie Kino und Theater besuchen möchten.

Der Gesundheitspass gibt Auskunft darüber, wer vollständig geimpft, negativ getestet oder nachweislich von Covid-19 genesen ist. Und ein weiterer Faktor dürfte die Impfungen ankurbeln: Bislang waren die PCR-Tests kostenfrei. Ab dem Herbst soll das anders werden: Ungeimpfte müssen ihre Corona-Tests selbst bezahlen, es sei denn, es liegt ein medizinischer Grund vor. Die Impfung bleibt dagegen kostenfrei.

Ab 1. August kann der Gesundheitspass auch im Bahnfern- und Flugverkehr, in Einkaufszentren, Krankenhäusern, Altenheimen sowie in gastronomischen Betrieben verlangt werden. Bis zum 30. August, also dem Ende der Sommerferien in Frankreich, fallen 12 - 17-Jährige noch nicht unter die Bestimmungen.

Die Ankündigung Macrons verfehlte ihre Wirkung nicht. 926.000 Menschen buchten am selben Abend auf dem Online-Portal Doctolib einen Impftermin. Auf die Impfwilligen würden zehntausende Mitarbeitende von Impfzentren warten, twitterte Frankreich Gesundheitsminister Olivier Véran.

Land der Impfwütigen: Spanien

Spaniens Regierung hat bislang keine allgemeine Impfpflicht vorgesehen. In Spanien sind bislang fast 50 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft (Stand 19.07.) Seit Mitte Juni schnellen die täglichen Corona-Neuinfektionen wieder in Höhe, die Zahl der Krankenhauseinweisungen blieb allerdings relativ gering.

Das spanische Gesundheitsministerium hat sich bislang von einer “Impfpflicht” distanziert, auch wenn es theoretisch Möglichkeiten gäbe, diese im “Fall von Epidemien” einzuführen.

Allerdings ist die Impfbereitschaft auf der iberischen Halbinsel sehr hoch. Gerade bei Beschäftigten in Krankenhäusern und Gesundheitszentren liegt die Impfquote bei fast 98 Prozent, beim Pflegepersonal bei rund 90 Prozent.

„Glücklicherweise sind wir uns in Spanien der Vorteile bewusst, die Impfstoffe für jeden von uns und für die Gesellschaft insgesamt haben. Die Reichweite, die wir bei der Bevölkerung und beim Gesundheitspersonal erreichen, ist sehr hoch “, zitiert El Pais Amos García, den Präsidenten des spanischen Impfverbandes (AEV).

Schon mitten in der nächsten Welle: Portugal

Eine Corona-Impfpflicht besteht in dem beliebten Urlaubsland nicht. Portugal, wo schon seit Juni die Corona-Zahlen wieder in die Höhe schnellen, hat verfügt, dass jede:r über 12 Jahre, der als Tourist:in einreist und in einem Hotel übernachten möchte, einen aktuellen, negativen COVID-Test oder den digitalen Impfpass der Europäischen Union vorlegen muss.

In Portugal waren Mitte Juli 2021 rund 41 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Die Zahl der Neuinfektionen steigt allerdings und lag Mitte Juli 2021 bei rund 3.600 Neuinfektionen am Tag.

Griechenland greift durch und verpflichtet Gesundheitspersonal zur Impfung

Neben Frankreich und Italien hat Griechenland am 12. Juli eine Impfpflicht für bestimmte Berufe angekündigt. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis erklärte: "Die sofortige Impfung von Mitarbeitern in Altenpflegeeinrichtungen wird verpflichtend, das ist die am meisten gefährdete Kategorie. Diejenigen, die dies nicht tun, werden ab dem 16. August suspendiert. Ab dem 1. September gilt die Impfpflicht auch für Beschäftigte im Gesundheitswesen, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor."

Nur Geimpfte dürfen Bars, Konzerte besuchen und (kulturelle) Veranstaltungen in geschlossenen Räumen besuchen.

Die Zahl der Neuinfektionen war in Griechenland seit Ende Juni 2021 nach umfassenden Lockerungen kontinuierlich in die Höhe geschnellt. Die Ursache sehen Expert:innen vor allem im Nachtleben und bei feiernden Jugendlichen. Am 15. Juli registrierten die Behörden fast 3.000 Neuinfektionen.

Österreich: Kommt bald die Impfpflicht?

Nachdem Frankreich die Corona-Impfung für Pflege- und Gesundheitspersonal zur Pflicht gemacht hat, wird auch in Österreich darüber diskutiert. Bislang wird ein Nachweis der Corona-Impfung nur bei Neueinstellungen im Gesundheitsbereich verlangt.

Zwar ist auf der Webseite des Bundeskanzleramts aufgeführt, dass die Bundesregierung keine allgemeine Impfpflicht einführen wird, auf Länder-Ebene wird allerdings eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen diskutiert, neben dem Gesundheits- und Pflegepersonal auch für Lehrer- und Erzieher:innen.

Seit Mitte Juli steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Österreich wieder leicht an. Rund 44 Prozent der Bevölkerung waren zu diesem Zeitpunkt vollständig geimpft.

Alles freiwillig in der Schweiz

In der Schweiz sind die Corona-Impfungen nicht verpflichtend, auf der Webseite des Bundesamtes für Gesundheit BAG heißt es: “Impfungen in der Schweiz sind freiwillig. Eine Impfpflicht ist nicht vorgesehen.”

Ungarn bietet schon dritte Impfung an

Ungarn setzt auf eine Impfpflicht für Gesundheitspersonal. Mitte Juli lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 39. Rund 54 Prozent der Bevölkerung von 9,7 Millionen sind vollständig geimpft. Für geimpfte Menschen gibt es einen “Sicherheitspass”, der bereits nach dem Erhalt der ersten Impfdosis ausgestellt wird. Er wird auch beim Besuch von Restaurants, Schwimmbädern, Bibliotheken und anderen öffentlichen Einrichtungen verlangt.

Die generelle Maskenpflicht ist seit dem Erreichen des Impfmeilensteins von 5,5 Millionen Menschen außer Kraft gesetzt. Einzige Ausnahme: Gesundheitszentren und Krankenhäuser.

Doch auch in Ungarn gerät die Impfkampagne seit anderthalb Monaten ins Stocken: immer weniger Menschen wollen sich impfen lassen.

Mitte Juli 2021 hat Ministerpräsident Viktor Orbán angekündigt, dass es ab dem 1. August die Möglichkeit gibt, eine dritte Corona-Impfung zu bekommen: "Wir haben keine Informationen darüber, dass eine dritte Impfung schädlich sein könnte. Also brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Ich sehe nicht, warum wir diese Möglichkeit außen vor lassen sollten. Wir machen es möglich, eine dritte Impfung zu bekommen, aber wir empfehlen, mindestens vier Monate zwischen dem der zweiten und dritten Impfung zu warten.”

Orbán räumte ein, dass die Meinungen über eine dritte Impfung auseinander gingen und dass selbst die Weltgesundheitsorganisation bislang keine Empfehlung herausgegeben hat.

Luxemburg setzt auf Gesundheitspass

Das Großherzogtum hat ein System eingeführt, das dem französischen "pass sanitaire" (Gesundheitspass) gleicht und “Covid Check” genannt wird. Damit können Veranstalter oder Einrichtungen, die Publikumsverkehr empfangen, das generell gültige Publikumsprotokoll (Abstand zwischen Tischen im Restaurant, Tragen von Masken usw.) umgehen.

Eine Besonderheit in Luxemburg ist, dass die Betreiber von Veranstaltungsorten die Wahl haben: sie können sich gegen die Kontrolle ihrer Gäste entscheiden, in diesem Fall müssen sie das "klassische" Gesundheitsprotokoll einhalten.

Niederlande: Die jüngste Welle ist schon da

In den Niederlanden sind “alle über 18 eingeladen, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.” Auf der Webseite der Regierung heißt es weiter: “Geimpft zu sein wird nicht nur Sie, sondern auch Ihre Familie, Freunde und Risikogruppe in Ihrer Umgebung schützen. Wenn die Mehrheit der Menschen immun gegen das Coronavirus ist, wird es auch weniger Einschränkungen geben.” Die Niederlande legt es auch jungen Menschen zwischen 12 und 17 Jahren nah, sich impfen zu lassen.

Seit dem Wegfallen der meisten Corona-Beschränkungen am 26. Juni sind die Neuinfektionszahlen wieder stark angestiegen. Die Regierung macht das ausschweifende Nachtleben und “Partys mit einer hohen Zahl von Gästen” dafür verantwortlich. Deshalb gelten in den Niederlanden ab dem 10. Juli wieder Einschränkungen, die mindestens bis zum 13. August beibehalten werden sollen, darunter ein ausreichend großer Abstand in Restaurants und Bars (mindestens 1,50 Meter zwischen den Tischen und feste Sitzplätze). Die Bars müssen zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgen geschlossen bleiben, große Live-Events sind untersagt. Nachtclubs und Diskotheken werden wieder geschlossen.

Kulturelle Einrichtungen dürfen weiterhin öffnen, bei kulturellen, Sport- und anderen Veranstaltungen müssen die Mindestabstände eingehalten werden und die Auslastung der Kapazitätsgrenze darf zwei Drittel nicht überschreiten. Ein negativer Test als Eintrittsnachweis darf nicht älter als 24 Stunden sein.

In den Niederlanden sind rund 43 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Derzeit wird das Land von einer neuen Corona-Welle erfasst, allein am 15. Juli infizierten sich rund 11.000 Menschen mit dem Coronavirus.

Belgien: Impfen auf freiwilliger Basis

Im Nachbarland Belgien erfolgen die Corona-Impfungen ebenfalls auf freiwilliger Basis.

Auf der Webseite des föderalen öffentlichen Dienstes wird zudem festgehalten, dass auch nach der vollständigen Impfung die Corona-Regeln eingehalten werden müssen, dazu zählen das Einhalten der Mindestabstände von 1,50 Metern, das Tragen eines Nasen-Mund-Schutzes und das regelmäßige Händewaschen.

In Belgien waren am 15.Juli 46,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Bei den gemeldeten Neuinfektionen lässt sich ein leichter Anstieg beobachten, der auf das Anrollen einer neuen Welle hindeuten könnte.

Irland öffnet langsam

Die irische Regierung hat die Wiedereröffnung der Restaurants (inklusive Innenräume) am 19. Juli zugelassen. Voraussetzung ist ein Gesundheitspass-System zur Überprüfung des Impf- oder Immunitätsstatus.

Der irische Taoiseach Micheál Martin hat angedeutet, dass die Wiedereröffnung der Innengastronomie, die seit dem ersten Lockdown im März 2020 geschlossen sind , "gestaffelt" und im Einklang mit der Position wissenschaftlicher Berater:innen erfolgen wird.

Es ist vorgesehen, dass Menschen, die kürzlich die Krankheit durchgemacht haben, Restaurants besuchen dürfen, ebenso wie unter 18-Jährige, die noch nicht geimpft sind, aber von Personen begleitet werden, die den vollständigen Impfschutz haben.

Großbritannien: Impfpflicht für Pflegepersonal

England hat für Pflegepersonal in Altenheimen eine Impfpflicht eingeführt. Bis Oktober müssen alle dort Angestellten vollständig geimpft sein, es sei denn es gibt medizinische Gründe, die dagegen sprechen.

“Wir haben diesen Vorschlag zum Schutz der Heimbewohner getroffen. Die überwiegende Mehrheit der Angestellten in Pflegeeinrichtungen sind geimpft, aber nicht alle”, erklärte der frühere Gesundheitsminister Matt Hancock im Juni 2021.

Zudem hat das Land eine 16-wöchige Übergangszeit geschaffen, um allen die rechtzeitige Impfung zu ermöglichen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums waren Mitte Juni 1,2 Millionen Beschäftigte in der Pflege geimpft, das entspricht 78% der Gesamtbelegschaft. Die Impfpflicht gilt auch für externe Dienstleister, die Pflegeeinrichtungen besuchen, wie etwa Frisör:innen oder Fusspfleger:innen.

Einige britische Abgeordnete äußerten die Sorge, dass Hancocks Ankündigung der erste Schritt in Richtung einer Impfpflicht für alle sei.

"Ich bin gegen eine Impfpflicht für die Öffentlichkeit", erklärte Hancock, aber “für diejenigen, die eine Fürsorgepflicht in einer Einrichtung haben, in denen die Menschen mit dem höchsten Infektionsrisiko leben, denke ich, dass dies ein vernünftiger und angemessener Schritt ist, um Leben zu retten."

Die Regierungen von Schottland, Wales und Nordirland, die bei Gesundheitsfragen selbst entscheiden, tragen den Londoner Beschluss nicht mit. Dort bleiben die Corona-Impfungen auch für Pflege- und Gesundheitspersonal freiwillig.

Seit dem 19. Juli hat die britische Regierung alle beschränkenden Maßnahmen aufgehoben, darunter auch die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, Kapazitätsobergrenzen bei Veranstaltungen und Abstandsregelungen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen lag zuletzt bei 50.000.

Der britische Premierminister Boris Johnson vertraut auf die Eigenverantwortlichkeit der Bevölkerung und appellierte an alle, sich impfen zu lassen. Nach Angaben der Regierung waren am 15.07. 67,5 Prozent der Briten vollständig geimpft, 87,6 Prozent hatten zumindest eine Erstimpfung erhalten.

Malta empfängt nur noch geimpfte Menschen

“Wir werden das erste Land in Europa sein, das diesen Schritt geht”, hatte der maltesische Gesundheitsminister Chris Fearne angekündigt. Menschen sollen die Insel nur noch mit einem Corona-Impfpass besuchen dürfen.

Die Europäische Kommission (EK) hat bereits ihre "Besorgnis" über die Entscheidung der maltesischen Behörden geäußert, den Zugang zu ihrem Hoheitsgebiet nur Personen mit einem COVID-19-Impfschein zu gestatten. "Wir sind besorgt über diese Maßnahme, die ungeimpfte Menschen diskriminieren könnte", sagte EU-Justizsprecher Christian Wigand.

Zypern macht "SafePass" verpflichtend

Der Anstieg der COVID-19-Infektionen und die niedrige Impfrate bei jungen Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren hat die Regierung dazu veranlasst, neue Maßnahmen zu ergreifen, um die Verbreitung der Impfung, insbesondere bei jungen Erwachsenen, zu fördern und zu beschleunigen.

Besonders unter jungen Menschen lässt die Impfquote auf Zypern zu wünschen übrig. Die Regierung hat deshalb Maßnahmen eingeführt, die die Impfkampagne beschleunigen soll. Seit dem 9. Juli gilt der sogenannte "SafePass", der wie in Frankreich Auskunft über den Impf- oder Genesenenstatus- oder ein aktuelles, negatives Testergebnis gibt. Er wird allerdings auch schon nach dem Erhalt der Erstimpfung ausgestellt. Alternative kann auch der in der EU gültige "Grüne Pass" vorgelegt werden.

Der "SafePass" soll überall zum Einsatz kommen: beim Betreten von Bars und Kultureinrichtungen genauso wie am Arbeitsplatz oder im Supermarkt. Zudem wird es ab dem 1.August keine kostenlosen Antigen-Schnelltests mehr geben. Ziel auch hier: mehr Menschen zum Impfen zu bewegen. Der Besitz und die Kontrolle des "SafePass" ist zudem verpflichtend.

Die Mittelmeer-Insel steckt inmitten einer Corona-Welle. Die täglichen Neuinfektionen lagen zuletzt bei 980 im Sieben-Tage-Durchschnitt. 48 Prozent der Insel-Bewohner waren am 15.Juli vollständig geimpft.

Island: 74 Prozent sind geimpft

In Island sind Impfungen kostenfrei und “niemand wird gezwungen, die Impfungen anzunehmen”. Seit Anfang Juni 2021 wurde keine neuen Corona-Fälle registriert. Rund 252.000 der 341.000 Isländer:innen, fast 74 Prozent waren Mitte Juli bereits geimpft.

Finnland strebt hohe Durchimpfungsrate an

Finnland setzt auf Freiwilligkeit im Kampf gegen die Pandemie. So heißt es auf der Webseite des finnischen Gesundheitsministeriums: “Jede:r in Finnland kann sich impfen lassen - wenn gewünscht”. Die Impfungen sind freiwillig und kostenfrei, auch für Gesundheitspersonal. “Finnland strebt eine möglichst hohe Durchimpfungsrate an”, so das Ministerium.

In Finnland steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen seit Mitte Juni 2021 wieder an. 26,5 Prozent der Bevölkerung von 5,5 Millionen hatten am 15.Juli einen vollständigen Impfschutz.

Dänemark: Impfen ist freiwillig und kostenlos

Auf der Webseite des dänischen Gesundheitsministeriums heißt es: “Allen Menschen in Dänemark wird die Impfung gegen COVID-19 angeboten. Die dänische Gesundheitsbehörde hat die Reihenfolge festgelegt, in der die Bevölkerung geimpft werden soll. Das Angebot ist freiwillig und kostenlos.”

Am 15. Juli hatten 44 Prozent der 5,8 Millionen Dän:innen einen vollständigen Impfschutz.

Im Land existiert zudem ein "Corona-Pass", der am Ende der dritten Welle im Mai 2021 eingeführt wurde. Er funktioniert wie in Frankreich oder Luxemburg: Besucher von Restaurants, Bars, Theatern, Kinos und Frisörsalons müssen einen Nachweis über die Impfung, die Genesung oder einen aktuellen, negativen PCR-Test vorlegen. Für Freisitze und andere Außenbereiche ist der Corona-Pass nicht erforderlich.

Schweden: Alle Impfungen freiwillig

"Alle Impfungen in Schweden sind freiwillig, dazu gehört auch die Impfung gegen Corona. Wenn Ihnen eine Corona-Impfung angeboten wird, werden Sie selbst entscheiden können, basierend auf den bisherigen Kenntnissen über die Krankheit und die Impfung", heißt es auf der Webseite des schwedischen Gesundheitsministeriums.

In Schweden ist die Zahl der täglichen Corona-Neuansteckungen derzeit relativ stabil. Im Sieben-Tage-Durchschnitt haben sich 231 Menschen pro Tag angesteckt. In Schweden sind 36,3 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Norwegen: Freiwilliges Impfen

In Norwegen ist die Impfung gegen Corona freiwillig, wie alle anderen verfügbaren Impfungen. Allerdings hat das Gesundheitsministerium die nötigen Befugnisse, um bei bestehender Notwendigkeit die Impfpflicht einzuführen. Diese ist beispielsweise dann gegeben, wenn es darum geht, einen schweren Ausbruch einer gefährlichen, ansteckenden Krankheit einzudämmen (vgl. Artikel 3-8 des Infektionsschutzgesetzes).

In Norwegen waren die Corona-Neuinfektionen Mitte Juli 2021 relativ stabil. Die Zahl der durchschnittlichen Infektionen in der vergangenen Woche lag bei bei 172.

Russland: Impflicht in für den Dienstleistungssektor in Moskau

In Moskau wurde angeordnet, dass sich Arbeitnehmer im Dienstleistungssektor in der russischen Hauptstadt gegen COVID-19 impfen lassen müssen. Dafür haben sie bis zum 15. August Zeit.

Obwohl sich die Regierung von Wladimir Putin in Russland gegen eine Impfpflicht ausspricht, hatte Moskau im Juni die Anordnung erlassen, dass Cafés, Bars und Restaurants nur mit einem Impf- oder Genesenennachweis oder einem aktuellen, negativen Test besucht werden dürfen.

Die Impfquote in dem Land mit 146 Millionen Einwohnern liegt bei 13,7 Prozent (15.07.2021) und die Impfskepsis in der Bevölkerung ist weiterhin groß, und dass, obwohl der in Russland entwickelte Impfstoff "Sputnik V" im August 2020 als erster auf dem Markt war.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen lag Mitte Juli 2021 auf einem neuen Höchststand von rund 25.000 Fällen pro Tag. Besonders die Hauptstadt trifft es hart - dort überschlagen sich die Meldungen zu Rekorden bei Krankanhauseinweisungen, Intensivpatienten und Todesfällen in Zusammenhang mit dem Virus. Für den Kreml liegt die Ursache in der geringen Impfquote.

“Wir sind bei der Impfung der Bevölkerung wirklich nicht so weit vorangekommen, wie wir es gern wären”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zuletzt. Deshalb habe Russland nun “mit den offensichtlichen negativen Folgen” zu kämpfen. “Die Sterblichkeit ist gestiegen, das Virus wird aggressiver und ansteckender.”, so Peskow.

Russischen Angaben zufolge grassiert vor allem die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus. Sie sei mittlerweile für rund 70 Prozent der Infektionen verantwortlich.

Rumänien: Keine Pflicht

In Rumänien ist die Corona-Impfung kostenfrei und nicht verpflichtend.

Allerdings waren Mitte Juli 2021 gerade mal 24,2 Prozent - oder 4,7 Millionen Menschen - vollständig gegen Corona geimpft. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist allerdings (noch) gering.

Bulgarien kämpft mit großer Skepsis und niedrigen Impfquoten

In Bulgarien besteht keine Impfpflicht gegen Corona, doch die Impfraten sind relativ gering. 12,4 Prozent der Bevölkerung von rund 7 Millionen sind vollständig geimpft. Dabei ist Bulgarien eines der wenigen Länder, in denen die Impfwilligen sich aussuchen können, welchen Impfstoff sie bekommen möchten. Vor den Parlamentswahlen hatte Bulgariens Übergangsregierung über Anreize nachgedacht, um mehr Menschen zum Impfen zu bewegen. Expert:innen sehen die Gründe in einem allgemeinen Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den Behörden, in Umfragen gaben die Menschen eine “Angst vor neuen Medizinprodukten” an.

"Wir haben nicht vor, jemanden zu zwingen. Aber wir erwägen die Möglichkeit, Menschen, die die zweite Impfung bekommen, einige Gutscheine anzubieten", hatte Interims-Regierungschef Stefan Janew gesagt.

In der Hauptstadt Sofia gibt es in Parks spezielle Impfstellen, um niedrigschwellige Angebote für die Hauptstädter zu schaffen, auch Kampagnen in Roma-Vierteln sind geplant, um die Community von den Vorteilen der Impfung zu überzeugen. Sollte es nicht gelingen, die Impfquote zu erhöhen, könnte das osteuropäische Land gezwungen sein, Impfungen zu vernichten, weil das Verfallsdatum näher rückt.

Polen prüft Impfpflicht

In Deutschlands Nachbarland Polen besteht bislang keine Impfpflicht. Das Land prüft derzeit eine Impfpflicht für Risikopersonen, die ab August gelten soll.

In dem 37,8 Millionen Einwohner Land waren Mitte Juli gut 42 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Die Neuinfektionszahlen bewegen sich derzeit auf einem relativ niedrigem Niveau.

Tschechien erholt sich von der letzten Welle, Impfung ist freiwillig

“Die Covid-19-Impfung ist nicht verpflichtend und kostenlos für Personen, die im öffentlichen Gesundheitssystem der Tschechischen Republik oder eines anderen EU-Mitgliedsstaates versichert sind” heißt es auf der Webseite des tschechischen Gesundheitsministeriums. Seit Ende Juli 2021 ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen relativ gering, Mitte Juli hatten 38,6 Prozent der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz.

Slowakei: Freiwilliges Impfen

In der Slowakei sind die Impfungen freiwillig und kostenfrei für diejenigen mit einer Krankenversicherung im Land. Neben den in der EU anerkannten Corona-Vakzinen ist im Land auch der russische Impfstoff Sputnik V zugelassen. Dieser wird seit dem 7. Juni verimpft.

Mitte Juli waren rund 34 Prozent der slowakischen Bevölkerung vollständig geimpft. Seit Juni hat die Zahl der täglichen Neuinfektionen täglich abgenommen.

Slowenien: Keine Pflichtimpfung

In Slowenien sind Impfungen gegen das Coronavirus freiwillig und kostenfrei für alle Staatsbürger und Menschen mit einer Aufenthaltsgenehmigung und unabhängig von der Krankenversicherung.

Wer in das kleine Land im Südosten Europas einreisen möchte, sollte allerdings einen vollständigen Impfschutz vorweisen können.

Seit Anfang Juli 2021 ist die Zahl der täglichen Neuansteckungen gering. Im Sieben-Tage-Durchschnitt infizierten sich zuletzt rund 61 Menschen. 36,6 Prozent der Bevölkerung waren am 15. Juli vollständig geimpft.

Kroatien: Bald Restriktionen für Nicht-Geimpfte?

Ministerpräsident Andrej Plenković hat bislang die Möglichkeit einer Pflichtimpfung ausgeschlossen. Allerdings könnte es auch in Kroatien Einschränkungen für diejenigen geben, die kein Covid-Zertifikat vorweisen können. Die Hoffnung ist, dass sich auf diese Weise mehr Menschen impfen lassen werden.

Seit Anfang Juli 2021 ist ein leichter Anstieg bei den Neuansteckungen registriert worden. Im Sieben-Tage-Durchschnitt steckten sich 96 Menschen mit dem Virus an. In dem Land an der Adria waren am 15. Juli rund 32 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen Corona geimpft.